Geologie

Die Lagerstätte Pöhla-Globenstein
Die Lagerstätte Pöhla-Globenstein liegt regionalgeologisch im westerzgebirgischen Teil der Fichtelgebirgs-Erzgebirgs-Antiklinalzone und dort der südlichen Umrandung der Schwarzenberger Gneiskuppel im Einflussbereich der NW-SE streichenden überregionalen Gera-Jáchymov-Störungszone.
Der geologische Rahmen der Lagerstätte besteht überwiegend aus kristallinen Schiefern des oberen Proterozoikums und des Kambriums (Glimmerschiefer, Quarzite, Amphibolite) und wird von obercarbonisch-unterpermischen Graniten des variszischen Erzgebirgsplutons (Westerzgebirgischer Teilpluton) unterlagert bzw. in lokalen Aufwölbungen dieser Granite durchbrochen.

Im unmittelbaren Lagerstättenbereich stehen Metamorphite der unterkambrischen Raschauer Folge der Keilberg-Gruppe an. Diese Gesteinsfolge besteht überwiegend aus Glimmerschiefern, die mehrere Skarn-Metakarbonat-Gesteinshorizonte enthalten und bei einem SW-NE-Streichen mit ca. 10 – 30° nach SE einfallen.

Das liegende, ca. 200 – 250 m mächtige und das das hangende, maximal 300 – 400 m mächtige Paket der Raschauer Folge besteht im Wesentlichen aus Glimmerschiefern bzw. Gneisglimmerschiefern mit Linsen von Amphiboliten und seltener geringmächtigen Einlagerungen von verskarnten Marmoren sowie graphit- und sulfidführenden Schiefern.

Das mittlere Paket der Raschauer Folge ist ca. 300 – 500 m mächtig und weist eine vergleichsweise größere Vielfalt von Gesteinen auf:
  • Schiefer verschiedenster Art (Glimmerschiefer, z.T. feldspatreich oder granatführend, quarzitische Schiefer)
  • Metakarbonat-Gesteine (Marmor, vorwiegend dolomitisch; Skarne mit Übergangsbldungen)
  • Amphibolite
  • Quarzite
  • Muskowitgneise u.a.

Der Anteil der einzelnen Gesteine wechselt räumlich relativ stark. Besonders erheblich ist der hohe Anteil karbonatischer Gesteine dieses Paketes, der lokal bis zu 50 % erreichen kann.

An diese mit unterschiedlicher Intensität verskarnten Gesteinshorizonte (Skarnlager) ist eine Zinn-Wolfram-Vererzung gebunden. Aufgrund des Metallinhaltes (Eisen, Zinn, Wolfram, Kupfer) wird die Skarnlagerstätte Pöhla-Globenstein als polymetallisch bezeichnet.

Vom Liegenden zum Hangenden durchnummeriert, werden 5 Skarn-Metakarbonatgesteins-Horizonte unterschieden, von denen die oberen drei die Erzlager Nr. 5, 4 und 3 mit polymetallischen Mineralisationen in gewinnbarer Qualität beinhalten.

Der Lagerstättenbereich ist durch eine Vergitterung bruchtektonischer Strukturen hauptsächlich mit NW-SE-Streichen (z.B. Luchsbach-Störungen I und II, Schwarzenberger Störung) und NE-SW-Streichen (z.B. Arnoldshammer Störung mit 2 subparallelen Hauptstörungsästen; Globensteiner Störung) gekennzeichnet.

Erzlager 5
Das Erzlager 5 liegt stratigrafisch im oberen Teil nahe der Hangendgrenze der Raschauer Folge im 5. Karbonatgesteins-/Skarnhorizont. Geografisch im nordöstlichen Teil der Lagerstätte gelegen, entspricht die das Lager 5 dominierende Wolframvererzung im Prinzip der des Erzlagers 4.

Lage und Morphologie der Erzkörper des Erzlagers 5 werden strukturell (durch die Arnoldshammer Störung mit Quarz-Scheelit-Fluorit-Trümerzonen) und lithologisch (durch Karbonatgesteinshorizonte) bestimmt. Die linsenartig-lagerförmigen oder unregelmäßigen, auch steilstehenden Scheeliterzkörper sind an die Durchschlagbereiche enggescharter Trümerzonen in relativ mächtige, vorrangig karbonatische Gesteine gebunden.

Haupterzmineral des Lagers 5 ist Scheelit, der ca. 90 % des gesamten Erzanteils stellt. Die mittlere Korngröße des Scheelits im Erzlager 5 liegt bei 1,9 mm. Der Scheelit ist zum überwiegenden Teil mit Fluorit, Quarz, sowie mit Serizit, Hydroglimmer und Tonmineralen verwachsen. Wolframit wurde im Erzlager 5 nur selten und dann in Assoziation mit Quarz, vereinzelt Pyrit und Arsenopyrit nachgewiesen.

Darüber hinaus ist Fluorit mit durchschnittlich 15 – 30 % in den Erzintervallen der bedeutendste Begleitrohstoff im Erzlager 5.

Das Erz des Lagers 5 liegt zu ca. 60 % als Festerz und zu 40 % als Zersatzerz vor.

Erzlager 4
Im Erzlager 4 (im 4. Karbonatgesteins-/Skarnlager, auch als „Hauptlager“ bezeichnet) sind sowohl die Hauptmenge der Wolframvererzung, als auch der überwiegende Teil der Zinnvererzung (55 %) der Lagerstätte konzentriert. Die Zinnvererzung des Erzlagers 4 tritt in der Regel räumlich getrennt von der Wolframvererzung auf. Während die Wolframerze überwiegend in zersetzten Karbonatgesteinen vorkommen, ist die Zinnvererzung mehr an Skarne gebunden Die Wolframmineralisation im Erzlager 4 ist ca. 80 % an Scheelit und zu ca. 20 % an Wolframit gebunden. Die Form der Erzkörper ist abhängig vom Streichen der Schichten und der Trümerzüge. Bei parallelem Verlauf sind größere Erzkörper entstanden, bei spitzwinkligem Verlauf sind die Erzkörper kleiner. Im Erzlager 4 sind folgende Erztypen vorhanden:
  • Zersatzerz ca.48 %
  • Greisenerz ca. 21 %
  • Skarnerz ca. 18 %
  • Schiefererz ca. 13 %
Die Zersatzerze des Lagers 4 lassen sich nach dem Mineralbestand unterschieden in:
  • eine Fluorit-Glimmer-Varietät (= Scheelit-Erz) mit hohem Fluoritgehalt (häufig 20 %), hohem Scheelitanteil und Scheelit-Korngrößen von 0,1 – 1 mm, nahezu wolframitfrei und
  • eine Ton-Hydroglimmer-Varietät (= Scheelit-Wolframit-Erz) mit niedrigem Fluoritgehalt (meist 6 %) und einem erhöhten Wolframitanteil (25 – 50 %).
Fluorit ist die häufigste Begleitkomponente im Wolframerz und tritt verbreitet vor allem in den intensiv vergreisten und häufig stark zersetzten karbonatischen Gesteinen mit Gehalten von 1 – 40 % auf.

Erzlager 3
Im Erzlager 3 (sog. 3. Karbonatgesteins-/Skarnhorizont) ist etwa ein Drittel der Zinnvererzung der Lagerstätte Pöhla-Globenstein konzentriert. Die Zinnvererzung ist überwiegend an Skarne und untergeordnet an den angrenzenden kristallinen Schiefer gebunden. Vererzt sind hauptsächlich schwach vergreiste Pyroxenskarne (Skarnerze, ca. 85 %) und Glimmerschiefer (ca. 15 %).

Haupterzmineral des Erzlagers 3 ist Kassiterit, der im Skarn als Zwickelfüllung häufig zusammen mit Chlorit, Serizit und Fluorit auftritt. Kassiterit bildet auch Einsprenglinge in Skarnmineralen und kommt selten auch auf Mikrotrümern vor. Wolframminerale kommen im Erzlager 3 nur selten vor.

Das Erzlager 3 im ca. 4 – 10 m mächtigen Karbonatgesteins-/Skarnhorizontes ist im Mittel ca. 2 – 6 m mächtig und erreicht maximale Mächtigkeiten von 10 – 15 m. Die zahlreichen ausgedehnten linsenförmigen Erzkörper erreichen Dimensionen zwischen 15 m und 250 m.

Im Erzlager 3 sind folgende Erztypen vorhanden:
  • Skarnerz ca. 44 %
  • Schiefererz ca. 40 %
  • Zersatzerz ca. 9 %
  • Greisenerz ca. 7 %
Die größten Erzmächtigkeiten des Lagers 3 sind in den Skarnen und in Übergangsbereichen Skarn/Karbonatgestein ausgebildet. Das Einfallen des schichtförmigen Erzkörpers ändert sich von 35° auf beinahe 0°.