Rohstoffcharakteristik

Die Entstehung der Lagerstätte Pöhla-Globenstein verlief in mehreren Stadien und führte zur Bildung zahlreicher Mineralassoziationen. Die Lagerstätte stellt einen „Erzknoten“ im Kreuzungsbereich der NW-SE-streichenden Tiefenstörung Gera – Jáchymov und der ENE-WSW bis NE-SW-streichenden Mittelerzgebirgischen Tiefenstörung dar.

In der Lagerstätte werden 4 Erztypen unterschieden (Skarnerze, Greisenerze, Schiefererze und Zersatzerze).

Im Allgemeinen bilden Skarnerze mehr oder weniger linsen- bis lagenförmige Erzkörper in den Skarn-Metakarbonatgesteins-Horizonten, während die Greisen- und Zersatzerze oft unregelmäßige diskordante Körper mit unregelmäßiger Morphologie in den Skarn-Metakarbonatgesteins-Horizonten bilden.

Skarnerze haben einen komplizierten und sehr variablen Mineralbestand (z.B. Granat-Pyroxen-Amphibol-, Magnetit- und Pyroxen-Amphibol-Magnetit-Varietät in Erzlager 3). Sie sind räumlich an lithologische (Dolomit/Schiefer) und tektonische Kontakte (NE-SW- bis ENE-WSW-streichende und schieferungsparallele Strukturen gebunden. Die Intensität der Verskarnung ist in den einzelnen Erzlagern unterschiedlich.

Sie sind der Haupterztyp der Zinnerze der Lagerstätte und enthalten als Haupterzmineral neben Magnetit (dieser mit einem bedeutenden Zinngehalt) auch Kassiterit. Dieser ist meist kristallin. Bei Korngrößen von 0,02 - 0,5 mm (z.B. in Erzlager 3 mit einem Anteil von 67 - 69 %) sitzt der Kassiterit in Zwickeln der Gesteinsminerale, teilweise auch in Form submikroskopischer Aggregate (13 % Anteil), oder feindispers in den Gesteinsminerale eingebaut (18 bis 33 %). Im Erzlager 4 kommen auch Wolfram-Skarnerze mit dem Haupt-Wolframmineral Scheelit vor (Korngröße meist 0,1 - 0,5 mm). 

Die Skarnbildung wurde mit einer Amphibol-Magnetit-Mineralisation abgeschlossen, in der gehäuft auch Sulfide, in erster Linie Sphalerit, auftreten.

Greisenerze bestehen aus Glimmer, Chlorit und Fluorit. Sie werden tektonisch durch meist NE-SW bis ENE-WSW streichende Gang-/Trümerzüge kontrolliert und sind entsprechend streifenförmig angeordnet (parallel zur Arnoldshammer und Globensteiner Störung). Bei den trümern, von denen metasomatische Veränderungen des Nebengesteins ausgehen, lassen sich drei Mineralassoziationen unterscheiden (Quarz-(Albit)-Kassiterit, Quarz-Fluorit-Scheelit, Quarz-Sulfide-Wolframit).

Sheelite Scan02 Scheelit ist meist verwachsen mit Fluorit und Quarz (in Erzlager 4 vorwiegend in Korngröße 0,02–1mm, in Erzlager 5 etwa 1,9mm) und tritt untergeordnet in Quarz-Sulfid-Wolframit Aggregaten auf. Greisenerze haben relativ hohe Zinn- und Wolframgehalte (z.B. 0,64 % Zinn in Erzlager 3), machen aber nur einen geringen Anteil an der Gesamtlagerstätte aus.
Durchscheinender brauner Scheelit auf Milchquarz mit vereinzelt hellbraunem Dolomit. Tageslicht (links) und UV-Beleuchtung (rechts). (Mit freundlicher Genehmigung von John Betts Fine Minerals) 

01 Wolframerz 03 webSchiefererze treten im Liegenden der Skarnlager bzw. –erze auf. Sie werden auch durch steil einfallende Trümmerzüge kontrolliert, die Quarz und teilweise Feldspat und Kassiterit (meist 0,02 - 0,5 mm Korngröße, 90 % > 0,01 mm) bzw. Quarz, Fluorit und Scheelit (üblicherweise 0,1 - 0,5 mm Korngröße) enthalten.

Zersatzerze sind aus den verschiedenen anderen Erz-Typen (überwiegend aus den Skarnerzen) entstanden. Sie machen einen wesentlichen Anteil insbesondere an den Wolframerzen aus (z.B. im Erzlager 4 ca. 50 %).

Die räumliche Verbreitung der Zersatzerze in der Lagerstätte wird tektonisch kontrolliert. Im meist tonig-karbonatischem Bindemittel dieses Erztyps finden sich:
  • Kassiterit mit hohem Feinkornanteil und als submikroskopische Teilchen
  • Scheelit in gleichen Korngrößen wie im Festerz.

Zu den mitgewinnbaren Begleitrohstoffen der Zinn-Wolfram-Erze der Lagerstätte gehören:
  1. Eisen, überwiegend in Magnetit (untergeordnet in Sulfiden), auch außerhalb der Zinn-und Wolframvererzung als selbständige Erzkörper bildend
  2. Zink, meist in Sphalerit (wie Magnetit auch außerhalb der Zinn-und Wolframvererzung selbständige Erzkörper bildend
  3. Kupfer, überwiegend in Chalkopyrit
  4. Indium, isomorph in Kassiterit, z.T. in Sphalerit und Chalkopyrit
  5. Cadmium, isomorph in Sphalerit und Chalkopyrit
  6. Wismut, als Wismutsulfid bzw. isomorph in Sulfiden, auch in gediegener Form
  7. Silber, als Silbersulfid bzw. isomorph in Sulfiden, auch in gediegener Form
  8. Bor, vor allem in Ludwigit (im Erzlager 3), gelegentlich auch im Turmalin (in den Schiefer-Erzen), in geringen Mengen auch in den Bormineralen Danburit, Fluoborit und Szaibelyit)
  9. Fluorit, vor allem in Greisen- und Zersatzerzen, dort speziell in den Wolframerzen und im Quarz-Fluorit-Metasomatit.
  10. Beryllium, in Phenakit (im Scheeliterz des Erzlager 5, durchschnittlich 100 – 300 g/t, max. 1.350 g/t)

Zinn- und Wolframvererzung fallen räumlich nur selten unmittelbar zusammen und treten meist sowohl vertikal, als auch horizontal räumlich getrennt auf. Entsprechend der räumlichen Anordnung der Skarn-Metakarbonatgesteins-Horizonte übereinander überlagern sich die vererzten Bereiche (Erzlager) in diesen auf insgesamt 2,5 km² Fläche, wobei die Vererzung im Einfallen der Wirtsgesteine bis in ca. 450 m Teufe unterhalb der Festgesteinsoberfläche angetroffen worden ist.